Automation Corporations

Ersetzte Mitarbeiter, zentralisierte Unternehmen

Technologie hat die mühsamsten und banalsten Aufgaben der Welt übernommen. Es herrscht zwar Festanstellung, aber Rollen ändern sich ständig, und Mitarbeiter müssen sich stets anpassen, um nicht überflüssig zu werden.

REPORT | Lesezeit 4 min.
10. November 2020

Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich auf etwas Besseres umschulen zu lassen, und arbeiten daran, sich bestmöglich für die nächste Beförderung zu positionieren – aber die Spielregeln ändern sich ständig.

Große Unternehmen, die in Echtzeit Einblick in jede Facette ihres Geschäfts haben, sind handlungsfähiger. Sie sind am ehesten in der Lage, neue Effizienzen aufzuspüren und Automatisierung in ihre Arbeitswelt zu implementieren. Dies verschafft ihnen einen Vorteil gegenüber kleineren Firmen, die gezwungen sind, sich auf einzelne Disziplinen zu spezialisieren – z. B. visuelle Erkennung, autonome Bewegungstechnologien, Robotik.

Ähnlich entstanden neue Rollen, um neue Bedürfnisse zu bedienen – Rollen wie Robotertrainer, KI-Trainer und VR-Manager. Diese Welt ist von blitzschneller Anpassung geprägt. Eine zentrale KI-Abteilung, geleitet von einem virtuellen Chief Artificial Intelligence Officer, ist damit betraut, neben ausgewählten menschlichen Pendants Entscheidungen zu treffen. Die traditionelle Rolle des CEO wird völlig neu definiert.

Nähere Betrachtung

Die größten Unternehmen mit Kontrolle über den gesamten Arbeitsprozess verfügen auf der Suche nach neuen Effizienzen über den größten Spielraum. Sie können neue Technologien schneller implementieren. Das verschafft ihnen einen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten. Die Dualität von Automatisierung und Rationalisierung: Je ersetzbarer menschliche Arbeit wird, desto wichtiger wird menschliches Talent. Jemand muss die Maschinen für jedes Büro bauen, verwalten und anleiten, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen können.

Durch die Automatisierung von Geschäftsprozessen ändern sich Rollen ständig. Mitarbeiter wechseln oft von einer Rolle zur nächsten, wenn ihr vorheriger Job obsolet wird. Das Konzept einer Karriere gehört der Vergangenheit an. Man spricht davon, einen „Zyklus“ lang in einem Job zu verbleiben, bevor der nächste kommt.

Es gibt keine Massenarbeitslosigkeit, und die Regierungen haben es nicht für nötig befunden, ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) einzuführen. Allerdings gibt es insgesamt weniger Arbeitsplätze, und es fand eine „Aushöhlung“ von Arbeitsplätzen mit mittlerer Qualifikation statt, während der Anteil an niedrig- und hochqualifizierten Arbeitsplätzen gestiegen ist. Es gibt auch eine wachsende Kluft zwischen Großkonzernen und den verbleibenden kleineren Unternehmen bezüglich der Qualität der Beschäftigung und der Höhe der Löhne. Dies hat in den meisten Ländern zu einer zunehmenden Ungleichheit geführt, sodass Regierungen handeln mussten.

Da immer mehr Stellen gestrichen werden, sind auch Anstrengungen der Regierung und des privaten Sektors zur Umschulung, lebenslangen Weiterbildung und Unterstützung bei Arbeitslosigkeit erforderlich.

Heutiger Stand

Bezüglich des Arbeitsmarkts und künstlicher Intelligenz glauben fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent), dass Technologie und KI bis 2030 mehr Umsatz für ihr Unternehmen generieren werden als menschliche Arbeitskräfte. Sie werden auch mehr jährliche Betriebskosten absorbieren werden. Ein ähnlicher Anteil glaubt, dass KI-Investitionen im Jahr 2035 der größte Wachstumstreiber für ihr Unternehmen sein werden.

Und mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer glaubt, dass KI bis dahin das Potenzial haben wird, im Rahmen der Automatisierung von Geschäftsprozessen den Großteil der Geschäftsentscheidungen zu treffen. Dadurch würde die Notwendigkeit eines traditionellen Senior Managements oder Führungsteams entfallen. In wachsenden Unternehmen stimmte etwa die Hälfte der befragten Führungskräfte dem zu. Jedoch sahen nur 43 Prozent der Führungskräfte von stagnierenden oder schrumpfenden Unternehmen dies genauso. Und es gab signifikante Unterschiede je nach Markt: 81 Prozent der US-amerikanischen Führungskräfte stimmten dieser Ansicht zu, verglichen mit 29 Prozent der französischen Führungskräfte.

JE ERSETZBARER MENSCHLICHE ARBEIT WIRD, DESTO WICHTIGER WIRD MENSCHLICHES TALENT.

Doch während mehr als drei Viertel der Führungskräfte glauben, dass Unternehmen Funktionen wie KI-Management-Abteilungen und Cybercrime-Response-Einheiten schaffen werden, rechnet weniger als die Hälfte der Mitarbeiter bis 2035 mit diesen Geschäftsbereichen.

Die Lücke schließen

Wirtschaftsführer und Mitarbeiter können in der Zukunft der Arbeit gemeinsam gedeihen. Voraussetzung ist, die digitale Spaltung zu verstehen, zu erforschen und letztlich zu überwinden. Ohne diese Bemühungen könnte die Arbeitsplatzrevolution erheblich ins Stocken geraten. Das größte Warnsignal, das unsere Untersuchung aufzeigte: Führungskräfte und Mitarbeiter waren sich uneinig darüber, welche dieser vier Welten im Jahr 2035 vorherrschen wird.

Mitarbeiter identifizierten die Welt der Platform Plugins als das Arbeitsmodell, das 2035 vorherrschen wird. Dieses Modell ist von großer Angst ersetzt zu werden oder eine Festanstellung zu verlieren, geprägt. Währenddessen setzen Führungskräfte mehr auf eine Welt der Powered Productives – in der Festanstellung immer noch das Fundament der Arbeitskultur ist und Technologie Mitarbeiter dazu anregt, ihr Bestes zu geben.

Um diese Diskrepanz zu überbrücken, müssen sich Führungskräfte mit der notwendigen Fortbildung und Steigerung ihrer Belegschaft befassen. Zudem sollten sie eine überzeugende Vision kommunizieren, in der Technologie eine additive – und nicht subtraktive – Rolle im Leben der Mitarbeiter spielt.

Die von der COVID-19-Pandemie hervorgerufenen Veränderungen haben gezeigt, wie unvorhersehbar die Zukunft ist. Nur wenige hätten die aktuelle Situation vorhersagen können, geschweige denn einen Moment, der noch 15 Jahre entfernt ist. Aber die Forschung macht deutlich, dass wir die beste Arbeitswelt schaffen können. Mit Planung und Sorgfalt wird sie diejenige sein, die sowohl den Mitarbeitern als auch den Organisationen zugutekommt und den Alltag sinnvoller macht.

>50 %

der Befragten glauben, dass KI bis 2035 das Potenzial haben wird, den Großteil an Geschäftsentscheidungen zu treffen.