Die Digital Natives und ihre Führungskräfte

Wie kann die Chefetage von heute die Führungskräfte von morgen am besten unterstützen?

BERICHT | Lesedauer: 7 Min.
25. Mai 2021

Kurzfassung

  • Digital-Native-Mitarbeiter und Geschäftsführer befinden sich in unterschiedlichen Tech-Blasen, und diese Tatsache hat sich während der Pandemie nur noch deutlicher abgezeichnet.
  • Digital-Native-Mitarbeiter nutzen Instant-Messaging-Technologie deutlich intensiver als Führungskräfte. Der Unterschied ist jedoch mehr auf die Hierarchie als auf die Generation zurückzuführen.
  • Digital Natives möchten, dass ihre Führungskräfte stärker in Technologie für flexibles Arbeiten investieren, fühlen aber, dass die Führungsetage in diesem Bereich nicht genug unternimmt.
  • Führungskräfte müssen besser kommunizieren, dass Technologie die Arbeitnehmer unterstützen, nicht ersetzen wird.

Im aktuellen Geschäftsumfeld ist es nicht schwer, ein verführerisches – wenn auch oberflächliches – Porträt der Digital Natives zu zeichnen. Jeder arbeitet in Jogginghose und macht Pausen zum Wäsche waschen. Anstelle von langweiligen Sitzungen halten sie digitale Free-for-Alls ab, bei denen jede Idee etwas Besonderes ist und niemand einen Blick zur Seite wirft. Was soll man daran auszusetzen haben?

Aber hier prallen subjektive Eindrücke und die harte Realität aufeinander. Laut Forschungsergebnissen in „Der Digital-Native-Effekt“ denken die meisten Geschäftsführer, dass der Zugang zur neuesten Technologie das ist, was Digital Natives am meisten wollen. Tatsächlich befindet sich dieser Punkt auf ihrer Prioritätenliste aber ganz unten. Viele der heutigen leitenden Angestellten haben möglicherweise einfach nicht die richtigen Strategien beim Zuhören. Für den Aufbau einer unterstützenden, flexiblen und kollaborativen Arbeitskultur, die über traditionelle Räume hinausgeht, kommt es auf die richtigen Nuancen an. Ansonsten könnten einige Führungskräfte die großen wirtschaftlichen Vorteile verpassen, die sich einfach durch das Erfüllen der Bedürfnisse von Digital Natives ergeben.

Für Führungskräfte bedeutet das mehr, als sich nur an die Idee zu gewöhnen, dass von überall aus gearbeitet werden kann. Es bedeutet, zuzuhören, wie ihre Mitarbeiter arbeiten möchten, und dann die richtige Experience für den Fortschritt der einzelnen Mitarbeiter, Teams und des Unternehmens zu bieten. Es gibt ganz neue Regeln für „die Funktionsweise des Büros“ – Regeln, die sie von Digital Natives lernen können. Denn für sie ist die Arbeit nicht mehr an einen Ort, sondern an bestimmte Bedingungen gebunden.

Ein genauerer Blick

Wie bereits erwähnt, kann ein Anstieg bei den Mitarbeitern aus der Generation der Digital Natives einen tiefgreifenden Einfluss auf die Rentabilität haben. Digital-Native-Mitarbeiter möchten selbstbestimmt handlungsfähig sein und Führungskräfte befinden sich in der besten Position, diesen Wunsch zu erfüllen.

Das beginnt damit, die unterschiedlichen Sichtweisen in Einklang zu bringen, wie diese Gruppen über die Arbeit denken. Zum Beispiel: Führungskräfte befinden sich in ganz anderen Tech-Blasen als Digital-Native-Mitarbeiter, eine Wahrheit, die die Pandemie nur noch verdeutlicht hat. Die Forschungsergebnisse in „Der Digital-Native-Effekt“ deuten darauf hin, dass Führungskräfte andere Anwendungen und Tools als ihre Digital-Native-Mitarbeiter verwenden und – vielleicht wenig überraschend – sich bei ihrer Einstellung zu Technologien und Anwendungen am Arbeitsplatz allgemein unterscheiden.

Zum Beispiel nutzen Führungskräfte Instant-Messaging-Dienste deutlich seltener als ihre Digital-Native-Kollegen. So verwenden nur 21 Prozent der Führungskräfte Dienste wie Slack und WhatsApp für Arbeitszwecke, im Vergleich zu 81 Prozent bei den Digital Natives. Außerdem nutzen nur 26 Prozent der Führungskräfte Instant-Messaging-Anwendungen tatsächlich gerne für die Arbeit, im Vergleich zu 81 Prozent bei den Digital Natives.

Der Ursprung für diesen Unterschied scheint dabei allerdings eher in der Hierarchie als in der Generation zu finden zu sein. Witzigerweise verwenden 83 Prozent der Mitarbeiter aus der Generation Y gerne Messaging-Apps für die Arbeit, während 67 Prozent der Führungskräfte aus der Generation Y sie nicht mögen. Auf jeden Fall sehen Digital-Native-Mitarbeiter in diesen Plattformen Mehrwert, setzen sie für die Zusammenarbeit ein, und hoffen, dass sich die Einstellung der Führungskräfte dazu verbessern wird. 

Hinsichtlich flexibler Arbeitsmodelle, die zunehmend von Arbeitssuchenden gewünscht werden, gibt es weiterhin Verbesserungspotenzial, sowohl bei den Technologien als auch bei der Einstellung der Führung zu diesen Technologien. Acht von 10 Führungskräften sind der Meinung, dass jüngere Mitarbeiter in ihrem Unternehmen sich schneller an die Remote-Arbeit angepasst haben als ihre älteren Kollegen. Aber die Digital Natives glauben, dass den Führungskräften bei ihrer Anpassung noch Luft nach oben bleibt.

Und es ist nicht nur Skepsis oder eine Unwilligkeit, auf neue Plattformen zu setzen, die einige Führungskräfte – und damit auch ihre Unternehmen – benachteiligen könnte. Im Zeitalter der Remote-Arbeit haben Unternehmen auch grundsätzlich mit der digitalen Sicherheit zu kämpfen. Unternehmen müssen ihre IT-Protokolle überdenken, und das bedeutet für eine Welt, die in erster Linie remote funktioniert, über die VPN-Verbindung hinaus zu denken. Cloud-Sicherheit ist nicht mehr nur „Nice-to-have“ und die IT befindet sich nicht mehr außerhalb des Büros des CTO oder CSO. Es ist an der Zeit, dass sich alle, sowohl die Führungskräfte als auch die Mitarbeiter, über digitale Kollaboration und andere Tools für den Arbeitsbereich einig sind, und diese auf sichere Weise nutzen.

Und während nur 33 Prozent der Digital-Native-Mitarbeiter heute einen digitalen Arbeitsplatz nutzen, stehen 67 Prozent dieser Technologie positiv gegenüber. Digital Natives sehnen sich nach digitalen Plattformen, die unterstützende, kollektive Umgebungen nach ihren Wünschen schaffen. Die bisherige Arbeitsweise verdient ein Software-Upgrade. 

Außerdem befürchten die meisten Digital Natives, wie im Bericht „Work 2035“ von Fieldwork by Citrix erfasst wurde, immer noch, dass sie durch Technologie und KI ersetzt werden. Obwohl die meisten Führungskräfte glauben, dass Technologie ihnen die Arbeit erleichtern wird, kommunizieren sie diesen Mehrwert nicht immer an ihre Mitarbeiter. Führungskräfte sind dafür verantwortlich, die Technologie zu stärken und in diese zu investieren, um die Arbeit und Kollaboration zu erleichtern.

Digitale Systeme müssen um eine intelligente, inspirierende Erfahrung herum neu gestaltet werden, die Mitarbeitern eine kreative Problemlösung und schnellere Entscheidungsfindung ermöglicht. Alle Aspekte des ehemaligen Büros können im virtuellen Raum existieren.

Aber dieser Erfahrung Farbe und Gestalt zu verleihen, liegt nicht alleine in der Verantwortung der Geschäftsleitung. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie Sie die Bedürfnisse des Unternehmens mit den Wünschen und Bedürfnissen Ihrer jüngeren Arbeitnehmer in Einklang bringen können.

81 %

der Digital Natives nutzen Instant-Messaging-Dienste wie Slack und WhatsApp für Arbeitszwecke.

21 %

der Führungskräfte von Unternehmen tun es ihnen gleich.

82 %

der Führungskräfte von Unternehmen glauben, dass ihre Organisation die digitale Transformation als Reaktion auf die Pandemie beschleunigt hat.

65 %

der Digital Natives sind derselben Meinung.

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