Freelance Frontiers

Stellen Sie sich vor, die Unternehmenswelt, wie wir sie heute kennen, hätte sich in digitalen Staub aufgelöst. Der Arbeitsmarkt wäre durch einen grundlegenden Wandel komplett verändert. Ein agiles Ökosystem aus kleinen Unternehmen und Clustern von Freiberuflern, die ständig in Bewegung bleiben und neue Formen annehmen, treibt nun die Wirtschaft an. Sie kommen zu Projekten zusammen und zerstreuen sich dann wieder. Ein großes Unternehmen definiert sich über die Größe seines Umsatzes, nicht über die Anzahl der angestellten Mitarbeiter.

REPORT | Lesezeit 4 min.
15. September 2020

Vorbei sind auch die Zeiten des traditionellen Bürojobs. In der Welt der Freelancer wird ständig die digitale Reputation einer Person bewertet – und jeder muss sich permanent anstrengen, eine exzellente Reputation aufrechtzuerhalten. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben haben sich nahezu aufgelöst.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, rüsten sich einige Mitarbeiter mit NFC-Chips unter der Haut aus, die ihre Produktivität auf die nächste Stufe heben. Dies hat jedoch Konsequenzen und lässt eine Zweiklassenbelegschaft entstehen, in der diejenigen, die mit Technologie aufgerüstet sind, von anderen getrennt sind.

Nähere Betrachtung

Technologie ermöglicht es Unternehmen, schlanker zu agieren. Kleinere Unternehmen können oft mit viel größeren Unternehmen konkurrieren und sind genauso flink. Freelancer oder Angestellter? Viele Projekte, die früher von festangestellten Spezialisten erledigt wurden, können heute genauso gut von einem Team von Freiberuflern durchgeführt werden.

Auch Technologie rund um Reputation und Glaubwürdigkeit boomt. Und mit dem Voranschreiten von KI und maschinellem Lernen wird die menschliche Augmentation weniger zu einer dystopischen Idee als zu einer utilitaristischen. NFC-Chips unter der Haut würden die digitale Leistungssteigerung auf ein bisher unvorstellbares Niveau heben, und viele Arbeitnehmer sind bereit, diesen Sprung zu wagen.

Wie alle vier von uns untersuchten Welten birgt auch diese sowohl Chancen als auch Gefahren. Eine zunehmend unabhängige Belegschaft – vor allem eine, die sich „unters Messer legt“, um wettbewerbsfähig zu bleiben – müsste durch staatliche Vorschriften geschützt werden. Die Schutzmaßnahmen selbst dürfen aber nicht so streng sein, dass sie die vermeintlichen Vorteile für das Unternehmen zunichtemachen. Dieser Weg könnte auch ein größeres Risiko für Burnout bergen, da Mitarbeiter nie vollständig „abschalten“ können.

Heutiger Stand

Unsere Meinungsforschung zeigt, dass nur wenige der heutigen Wirtschaftsführer eine Zukunft der Freelance Frontiers erwarten. Obwohl sie glauben, dass der Einsatz von On-Demand- und Freelance-Mitarbeitern zunehmen wird, schätzen Führungskräfte im Durchschnitt, dass Freelancer im Jahr 2035 weiterhin nur ein Fünftel der Belegschaft ausmachen werden.

FÜHRUNGSKRÄFTE GLAUBEN IM DURCHSCHNITT, DASS BIS 2035 EIN FÜNFTEL IHRER BELEGSCHAFT AUS AUFTRAGNEHMERN BESTEHEN WIRD. ABER ANGESTELLTE GEHEN DAVON AUS, DASS DIESE ZAHL VIEL HÖHER SEIN WIRD.

Nur sehr wenige Führungskräfte (22 %) glauben, dass Regierungen versuchen werden, den Arbeitsmarkt aufgrund des Rückgangs der Festanstellungen und des Anstiegs von On-Demand-Arbeitsmodellen strenger zu regulieren. Jedoch rechnen die meisten Arbeitnehmer damit, dass dies geschehen wird (60 %).

Einige Aspekte dieser Welt finden jedoch sowohl bei Führungskräften als auch bei Mitarbeitern großen Anklang. Die Mehrheit (79 %) der Befragten glaubt, dass Spezialisten mit mehr Gehalt und Zusatzleistungen rechnen dürfen, und fast drei Viertel (73 %) sind überzeugt, dass Technologieplattformen Zugang zu hochspezialisierten Talenten bieten werden. Fast zwei Drittel der Befragten (64 %) glauben, dass Arbeitnehmer persönliche Technologien wie AR-Brillen fordern werden, die flexibles Arbeiten ermöglichen.

Es wird auch vermutet, dass die nächste Stufe der Augmentation durch eine geteilte Belegschaft die Teilhabe am Arbeitsleben weiter beschränken wird. Bemerkenswerterweise zeigen unsere Daten, dass fast zwei Drittel der Befragten (65 %) glauben, dass es eine Zweiklassenbelegschaft geben wird, nämlich solche, die mit Technologie aufgerüstet sind, und solche, die es nicht sind. Menschen mit leistungssteigernden NFC-Chips unter der Haut werden einen unfairen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt haben, so 66 % der Arbeitnehmer und 54 % der Führungskräfte.

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