5 Branchenexperten verraten, wie Sie ein hervorragendes Arbeitsplatz-Erlebnis schaffen

Mitarbeiter wollen mehr. Von intuitiven digitalen Tools bis hin zu einer dynamischen Unternehmenskultur gelten Unternehmen heute als attraktiver, wenn sie auf mehr als nur ihre Bilanz achten.

ARTIKEL | Lesedauer: 4 Min.
29. Juni 2020

Auch wenn die Pandemie die Definition des „Arbeitsplatzes“ auf den Kopf stellt, sollten Unternehmen trotzdem für eine ausgezeichnete Workplace Experience sorgen.

Aber wie?

Fünf Branchenführer geben uns hilfreiche Tipps und Einblicke. Zusammen mit Quartz haben wir interessante Daten erhoben, die in Zeiten des Umbruchs in der Arbeitswelt einen Weg durch das Chaos aufzeigen können.
 

Produktivität hat nichts mit Büros zu tun

Jason Fried, CEO, Basecamp

Basecamp bietet Mitarbeitern unbegrenztes Home-Office, eine gedeckelte 40-Stunden-Arbeitswoche, viertägige Sommerarbeitswochen und alle drei Jahre ein 30-tägiges Sabbatical. Ein ausgefallener Einfall? Fast 60 % der Mitarbeiter von Basecamp arbeiten dort schon seit mindestens vier Jahren. Was passiert, wenn Mitarbeiter mehr Freizeit und geistigen Abstand von der Arbeit haben?

WIR BRAUCHEN KEINEN CATERINGSERVICE UND KEINE SCHICKEN BÜROS. DIESE DINGE SOLLEN MITARBEITER MEHR AN IHRE ARBEIT BINDEN … EIN ECHTER VORTEIL BEDEUTET ABER, DASS SIE ABSCHALTEN KÖNNEN.

Jason Fried
CEO
Basecamp

1,2
Anzahl der Arbeitsstunden ohne Unterbrechung

Der größte Feind der Kreativität? Ablenkung.

Dr. Tara Swart, Neurowissenschaftlerin und Dozentin an der M.I.T. Sloan School of Management.

Kreative, engagierte Mitarbeiter sind gefragt. Die Forschung zeigt, dass Kreativität in Unternehmen mit finanziellem Erfolg einhergeht. Es hat sich gezeigt, dass Achtsamkeit – die Praxis der Überwindung von Ablenkung – ein Katalysator für Kreativität sein kann.

  • „Im Gehirn gibt es unterschiedliche Verknüpfungen für logisches Denken, kreatives Brainstorming und emotionale Intelligenz. Das Gehirn durchblutet diese Verknüpfungen genau entsprechend der gerade ausgeübten Denkweise. Aber sobald Ablenkungen entstehen, wird der Blutfluss aufgeteilt.“ – Dr. Tara Swart
  • Lassen Sie Mitarbeiter remote arbeiten. „Mit Hilfe biometrischer Sensoren habe ich Stresslevel in einem Unternehmen untersucht. Es war auffallend, wie stark der Stresslevel und die Ablenkung der Mitarbeiter sanken, wenn sie einen Tag von zu Hause arbeiten konnten“, sagt Dr. Swart.
  • „2010 zeigte eine Studie unter US-Marines, dass diejenigen, die täglich 12 Minuten für Achtsamkeit meditierten, im Einsatz größere mentale Belastbarkeit im Vergleich zu jenen zeigten, die weniger als 12 Minuten oder gar nicht meditierten.

Top-down-Ansätze funktionierten bei einer Remote-Belegschaft nicht immer.

Alex Le , VP of Product and Community, Reddit

Der Arbeitsplatz wurde virtualisiert. Pausenräume wurden durch Chatrooms abgelöst. Wie können Führungskräfte einer weitgehend verteilten und digitalen Belegschaft die Umsetzung von Top-Down-Initiativen angehen?

Tipps:

  • Vermeiden Sie plötzliche Umbrüche durch Beta-Tests.
  • Stellen Sie Champions im Unternehmen auf und halten Sie mit ihnen Rücksprache.
  • Holen Sie Benutzerfeedback ein und agieren Sie entsprechend.

WENN ES IN IHREM UNTERNEHMEN EINEN INTERNEN CHAMPION GIBT, DER DIE UNTERNEHMENSKULTUR MITGESTALTEN MÖCHTE, FÜR VERÄNDERUNGEN EINTRITT, SIE KOMMUNIZIERT UND UMSETZT, SIND DIE ERFOLGSAUSSICHTEN DEUTLICH BESSER.

Alex Le
VP of Product and Community
Reddit

Offenheit sollte optional sein.

Benjamin Pardo, Design Director, Knoll

In den 1990ern führten eine Handvoll Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley das Großraumbüro ein, in der Hoffnung, dass lose strukturierte, offene Raumkonzepte Zusammenarbeit und gemeinsame Entdeckungen fördern könnten. Das Konzept ist nicht aufgegangen. Diese Geschichte mahnt zur Vorsichtig, gerade jetzt da Unternehmen abwägen, wie oder ob sie ihre Mitarbeiter überhaupt wieder in die Büros zurückholen sollten.

  • Im Jahr 2013 veröffentlichte das Journal of Environmental Psychology mehrere Studien zur Gestaltung von Großraumbüros. Die Autoren fanden heraus, dass Großraumbüros nicht funktionieren, weil Privatsphäre und Produktivität leiden.
  • Mitarbeiter können alle drei Minuten abgelenkt werden und verbringen im Durchschnitt 23 Minuten damit, sich wieder auf ihre Aufgaben zu konzentrieren.

IN JEDER ART VON STATISCHEM LAYOUT GIBT ES KOMPROMISSE BEI DER PRIVATSPHÄRE. ZU VIEL. ZU WENIG. EIN BÜRORAUM SOLLTE AUS MEHREREN UMGEBUNGEN BESTEHEN, DIE EINZELPERSONEN INDIVIDUELL FÜR SICH GESTALTEN, UM OPTIMAL ARBEITEN ZU KÖNNEN.

Benjamin Pardo
Design Director
Knoll

Upskilling ist die nächste große Investition.

Aaron Ignan, Gründer von The Ready

Die Innovationen in den letzten 140 Jahren haben gezeigt, dass Technologie unzählige Arbeitsplätze mehr geschaffen als zerstört hat. Das heißt jedoch nicht, dass sich Belegschaften nicht dem technischen Fortschritt anpassen müssen. Deshalb investieren Arbeitgeber derzeit in das Upskilling ihrer Mitarbeiter, um dem technischen Wandel einen Schritt voraus zu sein.

  • „Forscher sind zu dem Schluss gekommen, dass nicht-routinemäßige Fähigkeiten – alles, was nicht strikt Checklisten und Regeln folgt – in den kommenden Jahren weitaus weniger wahrscheinlich automatisiert werden. Drohnen können Reben gießen, aber sie können kein Weingut betreiben.“ – Aaron Ignan
  • Microsoft schult zusammen mit General Assembly 15.000 Mitarbeiter in aufkommenden Bereichen wie Machine Learning und Data Science. Amazon gibt 700 Millionen US-Dollar für die Umschulung seiner US-Arbeitskräfte aus. Auf welchem Platz lagen bei Google MINT-Fächer in der Liste nützlicher Fähigkeiten? Acht. Bei den sieben wichtigsten handelte es sich eher um Soft-Skills.
  • „Systeme basieren auf sozialer Koordination. Sie basieren auf Beziehungen. Wer an Beziehungen scheitert, scheitert an der Zukunft der Arbeit.“ – Aaron Ignan
  • Wichtige Soft-Skills:
    • Anpassungsfähigkeit
    • Kommunikation
    • Stressmanagement
    • Optimierung
    • Kreatives Denken
    • Initiative