Lehren der ersten Welle. Die Schattenseite der Pandemie für die Wirtschaft: Burnout

Länder rund um den Globus sind mit einer zweiten Welle der Pandemie konfrontiert und Mitarbeiter kämpfen damit, einen Burnout in Schach zu halten.

ARTIKEL | Lesezeit 5 min.
12. Januar 2021

Während sich Führungskräfte und Mitarbeiter auf ein weiteres herausforderndes Kapitel vorbereiten, haben wir von Fieldwork bei Citrix® uns gefragt, ob irgendwelche Lehren aus der ersten Welle der COVID-19-Pandemie gezogen werden können.

Um diese zu identifizieren, hat Citrix in Zusammenarbeit mit VERJ, einem Unternehmen der britischen LAB Group, eine Pandemie-Studie zur vergleichenden Sprachforschung initiiert. Wir untersuchten die Sprache, die in sozialen Netzwerken verwendet wird, um herauszufinden, wie sich Denkmuster und Meinungen seit dem Ausbruch der Pandemie verändert haben. Diese anonymisierten Beobachtungen veranschaulichen neue Ansätze, die Unternehmen seit dem Beginn des Lockdowns implementiert haben – teilweise mit und ohne Erfolg. Auszüge daraus geben wir im Folgenden wieder. Es überrascht nicht, dass sich zwar einige Aspekte des Arbeitslebens verbessert haben, das emotionale Befinden von Mitarbeitern jedoch drastisch unter der Pandemie gelitten hat.

Im zweiten Teil von „Lehren der ersten Welle“ teilen wir vier Anhaltspunkte, die bereits „auf die harte Tour“ gelernt wurden, und auf die Führungskräfte in den kommenden Monaten achten müssen. Führungskräfte können in der Pandemie mit einem Notfallplan so ihren Unternehmen – und ihren Mitarbeitern – helfen, die notwendige Balance zu finden, um ihr Potenzial zu nutzen und erfolgreich zu sein.

Psychische Gesundheit wird die größte Herausforderung sein

Laut sozialen Netzwerken wird die Erhaltung der psychischen Gesundheit die größte Herausforderung im weiteren globalen Kampf gegen die Pandemie sein. Diese Erkenntnis mag offensichtlich erscheinen, wirft aber Fragen auf. Wie gehen Führungskräfte mit Mitarbeitern, die von der aktuellen Situation überfordert sind, um? Wie kommunizieren sie mit ihnen? Oder warum versäumen sie diese Kommunikation?

Während des ersten Lockdowns verwendeten Menschen die Worte „really struggling“ (wirklich zu kämpfen haben) mit 14,9-facher Häufigkeit. Und auf Mumsnet, einem britischen Internetforum für Eltern, erwähnten Menschen nach Beginn der Pandemie „psychische Gesundheit“ 9,2-mal häufiger.

Die meisten Organisationen haben dafür gesorgt, dass ihre Mitarbeiter trotz der Umstände weiterhin leistungsfähig sind. Aber haben sie es geschafft, wirklich gesunde, nachhaltige Arbeitsbedingungen zu schaffen?

14,9-fach

gesteigerte Verwendung der Phrase „really struggling“ während des ersten Lockdowns

Führungskräfte müssen die Zeit ihrer Mitarbeiter schützen

Die Daten des VERJ-Teams deuten darauf hin, dass Arbeitnehmer das Gefühl haben, ihre Zeit sei gefährdet. Obwohl einige Mitarbeiter berichten, zu Hause weniger abgelenkt zu sein, sehen sich viele mit längeren Arbeitszeiten, Tagen ohne Pausen und „Zoom-Müdigkeit“ konfrontiert.

Menschen sprachen im Jahr 2020 4,8-mal mehr als 2019 davon, „Überstunden“ zu machen. Zeitfenster um Mahlzeiten herum zu blocken war ebenfalls ein zentrales Thema, denn Menschen verzichteten häufiger auf Mittagspausen. Im Vergleich zu 2019 erwähnten sie 2020 3,1-mal häufiger, eine Mittagspause zu benötigen.

Die häuslichen Umstände beeinflussten den Zeitmangel der Mitarbeiter zusätzlich. Sowohl bei Mumsnet als auch bei Reddit verwiesen Menschen 7,1-mal häufiger darauf, bezüglich ihrer Kinder frustriert, genervt oder überfordert zu sein. Und Menschen, die zu Hause ihre Familie koordinierten, verwiesen 1,4-mal häufiger auf zeitliche Erwartungshaltungen.

Zukünftig müssen Führungskräfte erkennen, dass sich die Work-Life-Balance bestenfalls in einer prekären Situation befindet. Sie müssen Richtlinien und Praktiken einführen, um diesen Umstand zu verbessern.

4,8-fache

Zunahme an Gesprächen über „Überstunden“ im Jahr 2020 gegenüber 2019

IT muss digitales Wohlbefinden fördern

Die Pandemie hat die digitalen Fähigkeiten von Unternehmen auf eine harte Probe gestellt. Von Schwierigkeiten beim Datenzugriff bis hin zu Systemabschaltungen und Hardwareausfällen mangelte es nicht an Kopfschmerzen – sowohl aus Sicht der Techniker als auch der Anwender.

In den sozialen Netzwerken wurde 2020 5,7-mal mehr „Sandbox-Zugang“ und „Bürokratie“ erwähnt, verglichen mit 2019. Und Computer-Hardware wurde in Gesprächen, die sich auf Home-Office bezogen, 11,3-mal häufiger genannt, als in Gesprächen über den Arbeitsplatz. Zudem wurden „Plugins“ im Jahr 2020 mit 37,3-mal höherer Wahrscheinlichkeit genannt als im Jahr 2019.

In Reddit-Threads – insbesondere im WorkGroup-Thread – teilten Menschen nützliche Tipps für die Arbeit im Home-Office. Sie empfahlen Plugins zur Steigerung der Produktivität. Und technisch versierte Mitarbeiter, die von ihrer Technik-Abteilung nicht das bekommen, was sie brauchen, umgehen das System komplett.

Eine Infrastruktur, die nicht auf flexible Arbeitsmodelle ausgerichtet ist, wird die negativen Auswirkungen auf das digitale Wohlbefinden nur verstärken. Je schwieriger der Zugang zu Technologie ist, desto schwieriger wird es für Menschen, in der Anwendung gesunde Gewohnheiten zu pflegen.

5,7-fache

Zunahme an Nennungen von „Sandbox-Zugang“ und „Bürokratie“ im Jahr 2020 verglichen mit 2019

Organisationsstrukturen werden strapaziert

Bei der weiteren Personalplanung werden einige Führungsstile gedeihen. Andere werden das Arbeitsleben erschweren. Manche Formen des Managements werden vielleicht gar nicht möglich, geschweige denn effektiv sein.

Im Jahr 2020 war „mittleres Management“ in Reddit-Konversationen zum Thema Home-Office (WFH) deutlich überrepräsentiert. Es wurde 16,5x häufiger im WFH-Thread von Reddit erwähnt als im WorkGroup-Thread.

„Das mittlere Management hat es am schlimmsten“, sagte eine anonyme Quelle. „Sie arbeiten am längsten, nehmen die ganze Schuld für die Fehler ihrer Mitarbeiter, aber auch ihrer Vorgesetzten auf sich. Sie werden ständig nahezu grundlos entlassen. Und sie werden nicht annähernd so gut bezahlt wie die Führungskräfte. Ihr Gehalt liegt etwas über dem der restlichen Belegschaft, ist aber vergleichbar. Das ist ein Job, den ich absolut nicht haben möchte.“

Eine andere Quelle drückte es noch unverblümter aus: „Mittlere Manager tun effektiv nichts, außer die Illusion aufrechtzuerhalten, dass es Arbeit gibt, die erledigt werden muss.“

Derzeit besteht ein Bedarf an echter Teamführung im Gegensatz zum Mikromanagement. Effektives Home-Office erfordert ein hohes Maß an Vertrauen – es geht um die Wertschätzung von Ergebnissen und nicht darum, rund um die Uhr eingeloggt und erreichbar zu sein.

DAS MITTLERE MANAGEMENT HAT ES AM SCHLIMMSTEN. SIE ARBEITEN AM LÄNGSTEN, NEHMEN DIE GANZE SCHULD FÜR DIE FEHLER IHRER MITARBEITER, ABER AUCH IHRER VORGESETZTEN AUF SICH. SIE WERDEN STÄNDIG NAHEZU GRUNDLOS ENTLASSEN. UND SIE WERDEN NICHT ANNÄHERND SO GUT BEZAHLT WIE DIE FÜHRUNGSKRÄFTE. Ihr Gehalt liegt etwas über dem der restlichen Belegschaft, ist aber vergleichbar. DAS IST EIN JOB, DEN ICH ABSOLUT NICHT HABEN MÖCHTE.

Der Weg nach vorn

Obwohl es reichlich Grund zur Hoffnung gibt, werden die kommenden Monate für alle schwierig sein. Führungskräfte sind von diesen Herausforderungen nicht ausgenommen. In Anbetracht der Pandemie müssen sie sich für Maßnahmen einsetzen, die das Wohlbefinden der Mitarbeiter an die erste Stelle setzen. Und das in dem Wissen, dass Menschen ihre beste Arbeit leisten, wenn sie sich von der Führungsetage unterstützt und gehört fühlen. Sie müssen die Zeit ihrer Mitarbeiter schützen und Sicherheitsrichtlinien durchsetzen, die die Produktivität fördern, anstatt sie zu behindern. Und sie müssen ganze Führungsstile überdenken, indem sie Mitarbeitern vertrauen, ungesehen das zu tun, was von ihnen erwartet wird.

Ein Report von McKinsey legte nahe, dass Unternehmen innerhalb von 90 Tagen ein digitales Wachstum durchlaufen haben, das mit einem ganzen Jahrzehnt vergleichbar ist. Aber Unternehmen können heute eine geplantere und weniger reaktive Haltung einnehmen, indem sie achtsam und einfühlsam auf ihre eigene und die Arbeit ihrer Mitarbeiter blicken.

Dennoch ist das Glas nicht halbleer. Erfahren Sie in der ersten Folge dieser Serie, „Lehren der ersten Welle. Krisen als Chancen nutzen: Produktivität in der Pandemie“, von vier überraschenden Vorteilen eines Lockdowns.