Flexibles Arbeiten: Eine neue Waffe im Kampf gegen den Klimawandel

Wie der Green Future Index beweist, sind neue Arbeitsmodelle nicht nur bequemer. Sie können dem Klimawandel sinnvoll entgegenwirken.

ARTIKEL | Lesezeit 6 Min.
20. April 2021

Der Klimawandel ist für viele das wegweisende Thema unserer Zeit. Laut einem Sonderbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen muss die Menschheit ihre Kohlendioxidproduktion drastisch drosseln, um die globale Erwärmung auf 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen – ein Anstieg, dessen Veränderungen für das Leben auf der Erde leichter zu handhaben sind. Obwohl diese Arbeit mit Bemühungen wie dem Pariser Klimaabkommen von 2016 phasenweise voranschreitet, haben die Länder noch viel zu tun.

Der Green Future Index, der von MIT Technology Review Insights durchgeführt und von Citrix mitgesponsert wird, stuft 76 führende Nationen und Gebiete auf der Grundlage ihrer Fortschritte und ihres Engagements beim Aufbau einer kohlenstoffarmen Zukunft ein und berücksichtigt fünf Bereiche: CO2-Emissionen, Energiewende, Nachhaltigkeit, saubere Innovation und Klimapolitik. Er zeigt, welche Länder im Kampf gegen die Erwärmung gut abschneiden (Spoiler-Alarm: die nordischen Länder) und welche zurückbleiben.

Wie von den Autoren der Studie festgestellt, hat die COVID-19-Pandemie viele Dinge beschleunigt – nicht zuletzt den Umstieg zur Fernarbeit und somit auch die Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wie bemerkenswerte Verbesserungen der Luftqualität weltweit seit März 2020 bewiesen haben, sind die Auswirkungen flexibler Arbeitsmodelle auf die Umwelt schwer zu leugnen. Laut Global Workplace Analytics kann der Energieverbrauch von Bürogeräten bis zu doppelt so hoch sein wie der von Home-Office-Geräten. Staus in den USA verbrauchen über elf Milliarden Liter Treibstoff und verursachen 26 Millionen zusätzliche Tonnen Treibhausgase. Technologieplattformen, die flexibles Arbeiten ermöglichen, können diese Umweltkosten bewältigen. Durch die Schaffung funktionierender Arbeitsabläufe unabhängig vom Standort kann ein Unternehmen sich selbst und gleichzeitig die Klimaresistenz stärken.

Die Zukunft der Arbeit und des Planeten sind untrennbar miteinander verbunden. Feldforschung von Citrix versucht, diese Trends zu verstehen, um zu sehen welche kurz- und mittelfristigen Anhaltspunkte der Green Future Index liefern kann. Hier sind unsere Ergebnisse.

2X

Der Energieverbrauch von Bürogeräten kann bis zu doppelt so hoch sein wie der von Home-Office-Geräten.

Hinarbeiten auf Klimaresistenz

Der Index sieht den Anstieg der Remote-Arbeit hin zu einem digitalen Arbeitsplatz als vielversprechende Entwicklung, die zu einer nachhaltigen Verringerung der CO2-Emissionen führen könnte. Flexible Arbeitsmodelle bedeuten weniger Pendeln, was weniger CO2-Emissionen sowie effizientere Nutzung der Rechenleistung und andere energiesparende Vorteile bedeutet. Die Pandemie hat die Umsetzbarkeit von flexibler Arbeit von zu Hause aus beschleunigt und die Vorstandsebene ist daher mit an Bord der nachhaltigen Digitalisierung. Laut Gartner planen 82 Prozent der Führungskräfte, ihren Mitarbeitern zu ermöglichen, zeitweise aus der Ferne zu arbeiten. Darüber hinaus würden laut einer Studie 70 Prozent der Menschen eher für ein Unternehmen arbeiten, das auf Nachhaltigkeit Wert legt. Es ist klar, dass das, was gut für den Planeten ist, auch gut für die Rekrutierungsbemühungen von Unternehmen sein könnte – und deren Profit.

82%

Prozentsatz der Führungskräfte, die planen, Mitarbeitern zeitweise zu ermöglichen remote zu arbeiten.

Anführer und Nachzügler

Europäische Nationen dominieren den Green Future Index und belegen 15 der Top-20-Positionen. Während die Eindämmung der Emissionen vor der Pandemie schon wichtig war, wird dies während der Ausgangssperren noch wichtiger, da die Europäische Union über 200 Milliarden Euro für Nachhaltigkeits-Investitionen in die Wirtschaft bereitstellt und Deutschland von den Autoren des Index als „weltweit führend in der Nachhaltigkeit während der Pandemie“ bezeichnet wird, da ein Drittel der Hilfszahlungen für die Klimaerholung bereitgestellt wurde. Diese Initiativen zur CO2-Reduktion dienen als Eckpfeiler der EU-Strategie, Europa zum ersten CO2-neutralen Kontinent der Welt zu machen.

Auch in Europa haben Island, Dänemark und Norwegen – die jeweils an erster, zweiter und dritter Stelle stehen – auf unterschiedliche Weise Fortschritte gemacht. Island setzt auf seine riesigen Geothermie- und Wasserkraftressourcen, um bis 2040 klimaneutral zu sein, während sich Dänemark als größter Kohlenwasserstoffproduzent in Europa sich Ende 2020 dazu verpflichtet hat, keine neuen Lizenzen für Öl- und Gasexploration zu vergeben. Unterdessen plant Norwegen, seine Wirtschaft mit einem Methoden- und Technologienmix von der fossilen Brennstoffindustrie abzukoppeln. 

Dekarbonisierung außerhalb von Europa

Costa Rica (siebter Platz) und Neuseeland (achter Platz) zeigen, wie kleinere Länder weltweit führende Dekarbonisierungs-Agenden vorlegen können. Das mittelamerikanische Land strebt an, bis 2021 Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen, während der Inselstaat im Südpazifik eine mutige und transformative Klimapolitik vorweist und Gesetze erlässt, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Ökotourismus spielt eine überragende Rolle in der Wirtschaft beider Länder, ein Grund, warum eine verantwortungsvolle Klimaagenda für die Zukunftssicherung so wichtig ist.

Einige der Länder mit dem höchsten CO2-Ausstoß hinken ihren europäischen Pendants hinterher, verbessern sich jedoch. Die Vereinigten Staaten rangieren auf Platz 40, haben allerdings in den letzten Jahren ihre Emissionen reduziert und sind für fast ein Fünftel der weltweiten grünen Patente verantwortlich. Dennoch bleibt die US-Wirtschaft stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Indien (Platz 21) hingegen setzt auf erneuerbare Energien und hat die weltweit größte vegetarische Bevölkerung, ist aber weiterhin der weltweit größte Milchproduzent und das Land mit dem dritthöchsten CO2-Ausstoß.

Luft nach oben

Der Green Future Index zeigt, wie Volkswirtschaften von zukunftsorientierten Klimaagenden profitieren können. Das Gegenteil gilt leider auch.

Die VAE (Platz 42) und Nigeria (Platz 53) sind die dritt- und fünftgrößten Rohölexporteure, während Indonesien (Platz 57), Vietnam (Platz 49) und Südafrika (Platz 47) die größten Kohleexporteure sind. Die Dekarbonisierung stellt eine existenzielle Bedrohung für die wirtschaftliche Gesundheit dieser Länder dar. Ohne konzertierte Bemühungen zum Umstieg auf erneuerbare Energien und alternative Energie- und Einkommensquellen laufen diese und andere Länder auf den niedrigen Rängen Gefahr weiter zurückzufallen.

Der Green Future Index hat in seinem ersten Jahr die Länder mit den direktesten Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels hervorgehoben. Seine Berichte sollten jedoch nicht als Wettbewerb missverstanden werden, denn der Klimawandel ist kein lokales Problem. Diese Last muss von allen Nationen und Menschen getragen werden. Sowohl Unternehmen als auch Bürger müssen gleichermaßen ihren Teil zur Reduzierung der Emissionen beitragen.

Obwohl Ökonomen oft darauf hinweisen, wie schwierig es ist, ein nachhaltiges Modell der Digitalisierung und des Klimaschutzes zu vereinen, sehen Optimisten Licht am Ende des Tunnels: Wer versteht, dass ökologische Nachhaltigkeit untrennbar mit unternehmerischer Nachhaltigkeit verbunden ist, und danach handelt, wird einen unüberwindlichen Vorteil erlangen.

70%

Prozentsatz der Personen, die eher für ein Unternehmen arbeiten würden, welches auf Nachhaltigkeit Wert legt.